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04.03.2008/ 09:02

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Literatur: Galionsfigur sorbischer Wortkunst

Kito Lorenc wird 70

BAUTZEN - Als 14-Jähriger schickte Kito Lorenc erwartungsvoll ein paar Verse an den Ost-Berliner „Sonntag“. Die Redakteure verwiesen ihn an die Zeitung „Der junge Pionier“. Das ärgerte ihn so, dass er weiter für die Schublade schrieb, auf Deutsch übrigens, denn in seiner Jugend beherrschte der Autor, der zu den führenden sorbischen Lyrikern zählt, die Sprache seiner Ahnen nicht. Das Interesse daran erwachte erst, als er in Cottbus die sorbische Internatsoberschule besuchte.

Da lernte er, „die Lieder der alten Kudzelina“ zu verstehen und zu singen sowie „die kleine, kalligraphische Schrift in Großvaters nachgelassenen Manuskripten“ zu lesen. Sein Großvater war der Schriftsteller Jakub Lorenc, der sich, Förster von Beruf, als Autor „Zaleski“ nannte, was „der hinter dem Wald“ heißt. Er starb, von den Nazis mit Schreibverbot belegt, 1939.

Aber auch der Dichterkollege Johannes Bobrowski, 20 Jahre älter als er, inspirierte Lorenc. In jener Zeit vollzog sich ein Wandel seines Stils: „Ich merkte, dass ich mich zunehmend rieb an der Sprache der Massenmedien und an vorherrschenden öffentlichen Sprachregelungen“. Lorenc beschäftigte sich intensiv mit „der Sprache der Macht und der Macht der Sprache“. Dabei legte er einen „Zwang zur Genauigkeit“ an den Tag, den Rainer Kirsch rühmte. Schritt für Schritt entwickelte er jene Tonart, die man aus seinem berühmtesten Gedicht „Rede-Wendungen“ kennt: „Ich steh auf Messers Schneide / knietief in der Kreide / als fünftes Rad am Wagen / und will ein Schnippchen schlagen. // Ich sauf im Sitzen Tinte, / werf Korn in meine Flinte, / streu Puder auf mein Haupt und jag / die Katze aus dem Klammersack.“

Lorenc wurde als Sohn eines Sägewerksbesitzers in Schleife nahe Weißwasser geboren. Nach dem Abitur studierte er Slawistik in Leipzig und begann, Strophen auf Sorbisch zu Papier zu bringen. Nach dem Diplom arbeitete er am Institut für sorbische Volksforschung in Bautzen, ehe er als Dramaturg ans dortige Theater wechselte. 1979 wagte er den Sprung in die Selbständigkeit und übersiedelte auf einen Bauernhof nach Wuischke am Czorneboh. Rund ein Dutzend Gedichtbände veröffentlichte er seit seinem Debüt 1962. Bis zum Mauerfall erschienen sie im Domowina Verlag und bei Aufbau, dann in kleineren Editionen wie Thanhäuser.

Heute, so sagt er, muss man sich selbst um „geeignete Fürsprecher“ kümmern. Einen hat er in Peter Handke gefunden. Der Popstar der Prosa besuchte ihn nicht nur in der Klause in der Lausitz, sondern er verfasste auch die Einführung zu der Anthologie „Das Meer. Die Insel. Das Schiff“, die im Heidelberger Wunderhorn Verlag herauskam. Nicht zuletzt dank solcher Kontakte blieb Lorenc im Gespräch, so dass er weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als Galionsfigur sorbischer Wortkunst gilt. (Von Ulf Heise)


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