Der Bau der St. Jacobi- Kirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jh. mit dem Setzen eines massiven Feldsteinsockels begonnen. Neben dem Turm aus großen behauenen Feldsteinen existierten ursprünglich ein kleineres Langhaus sowie eine zweite Kirche nur ca. 300 m entfernt auf dem St. Nikolai-Kirchplatz. Diese wurde durch einen Blitzschlag und Brand im Jahr 1632 zerstört. Etliche Kapellen innerhalb und außerhalb der Stadt boten den Gläubigen Einkehr.
Bevölkerungszuwachs und Wohlstand in der aufblühenden mittelalterlichen Stadt bewogen vermutlich dazu den Kirchbau St. Jacobi zu erweitern. 1361 erfolgte in einigem Abstand zum noch bestehenden Langhaus der Baubeginn des neuen Hohen Chores. Zur Mitte des 15. Jh. wurde schließlich in einer dritten Bauphase zwischen Turm und großem Hohen Chor das erweiterte Langhaus errichtet. Die Kirche war damit als dreischiffige gotische Hallenkirche angelegt. Der Grundriss lässt erkennen, dass das Gotteshaus in drei Bauabschnitten errichtet wurde und keinen einheitlichen Bauplan zur Grundlage hatte. Die Achsen von Turm, Langhaus und Chor liegen nicht in einer Flucht, Längswände und Pfeilerreihen des Langhauses streben zum Chor hin auseinander.
1539 wurde in Perleberg die Reformation eingeführt, in deren Folge die einstmalige Ausschmückung des Gotteshauses beseitigt worden ist. Nur wenige mittelalterliche Schätze der Kirche sind bis heute erhalten: der fünfarmige Bronzeleuchter des Harmen Bonstede/ Hamburg, 1475 sowie Teile des Chorgestühls mit schönen Schnitzereien und das Epitaph des Bürgermeisters Johann Konow (1558) im nördlichen Seitenschiff. 1851 bis 1854 erfolgte unter Friedrich August Stüler (1800-1865) eine tief greifende Umgestaltung der Innenausstattung. Die Veränderungen entsprechen dem historisierenden Stilempfinden der damaligen Zeit und sind bis heute sichtbar. Weitere Restaurierungsarbeiten leitete Dr. Curt Steinberg/ Berlin in den Jahren 1912/13. Die Orgel, 1831 von der Orgelbaufirma Fr. Turley/ Treuenbrietzen erbaut, ist mehrmals, letztmalig 1995 durch die Firma Sauer/ Frankfurt (Oder), umgebaut worden. Mit drei Manualen und dem Pedal besitzt sie insgesamt 2496 Pfeifen. Auch der Turm, insbesondere die Turmspitze, hat in den vergangenen Jahrhunderten viele Veränderungen erfahren. Seit dem großen Brand am 27. November 1916, bei dem auch die fünf wertvollen Glocken zerstört wurden, bildet ein einfaches Satteldach den Turmabschluss.
Für die Sanierung des Kirchenbaus bestand von Beginn an oberste Priorität. Im Rahmen des Programms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ erfolgte in den Jahren 1997 – 1998 die Erneuerung der Dächer des Kirchturmes, des Kirchenschiffes und des Chores sowie des Dachreiters auf dem Chor. Ferner wurden Fassadenarbeiten am gesamten Bauwerk durchgeführt und fünf Portaltore restauriert. Für diese Leistungen wurden durch den Bund, das Land Brandenburg und die Stadt Perleberg Mittel in Höhe von ca. 228.000 Euro bereitgestellt. In den Jahren 1998 – 1999 wurde die sehr wertvolle Glasmalerei von 3 Kirchenfenstern einer aufwendigen Restaurierung unterzogen. Die hierfür erforderlichen Mittel in Höhe von ca. 137.000 Euro konnten durch Bund und Land, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die ev. Kirche aufgebracht werden. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes wurde 2002 mit der Restaurierung der vier historischen gotischen Portale begonnen. Dank der finanziellen Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des Landkreises Prignitz, fand die ca. 220.000 Euro teure Restaurierung im Jahr 2004 ihren Abschluss.
Text: Stadt Perleberg