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Dunkle Wolken über der Prignitz

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Der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen besichtigte jetzt gefährdete Kirchenbauten in der Prignitz. Dabei war das Wetter der dramatischen Situation durchaus angemessen: Als wir an der ersten Station, in Alt Krüssow, eintrafen, zuckten Blitze durch den tiefschwarzen Himmel, Donner grollte und der Regen hatte die Dorfstraße fast in einen Bach verwandelt.

Der Innenraum der imposanten Backsteinkirche von Alt Krüssow mit seinen Stern- und Kreuzrippengewölben beeindruckt trotz zerschlagener Fenster und abblätternder Farbe. Die kleine Kirchengemeinde des Dorfes hat sich für ihre Gottesdienste schon vor Jahren in die Nordkapelle zurückgezogen. Ein geschnitzter Annen-Altar sowie eine dahinter befindliche Nische, vermutlich eine Kopie des Heiligen Grabes, erinnern hier an die Zeit, als Alt Krüssow das Ziel von Wallfahrten zur Heiligen Anna, Mutter Mariens und Großmutter Jesu, war. Bauingenieur und Statiker Axel Seemann erläutert uns, dass auf Grund von massiven Schäden im Dachstuhl des Kapellenanbaus von einer akuten Einsturzgefahr gesprochen werden kann. Auf Veranlassung des Fördervereins Wallfahrtskirche Alt Krüssow hatte Seemann ein umfassendes Sanierungskonzept für die Kirche erstellt, an dessen Finanzierung sich auch der Förderkreis Alte Kirchen (unterstützt vom Lions-Club Seeheim, dem an dieser Stelle ausdrücklich gedankt wird!) beteiligen konnte. Allein ein erster Bauabschnitt, der eine Notsicherung des Daches vom Kapellenanbau sowie der Fenster vorsieht, ist mit etwa 50.000 Euro veranschlagt. Woher das Geld dafür kommen soll, weiß auch Uwe Dummer, der Vorsitzende des örtlichen Fördervereins, noch nicht zu sagen. Auf jeden Fall ist er stolz darauf, dass der bedeutende Kirchenbau nach einer langen Zeit des Dornröschenschlafes durch Veranstaltungen sowie durch den Artikel von Dirk Schumann in unserer Broschüre „Offene Kirchen 2004“ wieder in die Erinnerung der Öffentlichkeit gelangte. Erste Anträge auf Fördermittel sollen demnächst auf den Weg gebracht werden. (Am Samstag, dem 7. August um 17.25 Uhr wird der RBB in seinem Magazin „Himmel und Erde“ über die Alt Krüssower Kirche und die Aktivitäten des Fördervereins berichten.)


Auch in Gadow ist es einem neu gegründeten Förderverein zu verdanken, dass ein lange Zeit vergessenes Kirchengebäude „wiederentdeckt“ wurde. Ende des vergangenen Jahres bauten Gemeindeglieder in Eigeninitiative eine Winterkirche ein und räumten den Schutt aus dem Kirchenschiff. Seitdem, so der zuständige Gemeindepfarrer Norbert Merten, sei der Raum nicht wiederzuerkennen. Das alles kann jedoch nicht über die massiven Bauprobleme hinwegtäuschen. Architektin Bärbel Kannenberg berichtet, dass die hölzerne Zwischendecke des Backsteinbaus von ca. 1860 durch tierischen Befall völlig zerstört sei und „eigentlich nur noch von der Farbe zusammengehalten“ werde. Zum Zustand des Dachstuhls könne sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt recht wenig sagen, da er ohne Gefahr nicht zu betreten sei. Ein Holzschutzgutachten ist dringend nötig. – Vielleicht können die 2.500 Euro, die der Gadower Verein als einer der Preisträger des vom FAK ausgeschriebenen „Startkapitals für Kirchen-Fördervereine“ erhält, ein erster Beitrag dafür sein.

Pfarrer Berthold Schirge erlaubt uns einen Blick ins Innere der Königsberger Kirche, warnt aber eindringlich vor dem Betreten des größten Feldsteinbaus in der Prignitz. Seit April ist das Gotteshaus bauaufsichtlich gesperrt. Eine aus der Gemeinde heraus entstandene Initiative will sich für die Instandsetzung einsetzen. Beim Mittagessen beschließt der Vorstand des FAK spontan, eine Spende in Höhe von 1.500 Euro für die gefährdete Königsberger Kirche zu überweisen – wohl wissend, dass dies im Hinblick auf die Bauprobleme eigentlich nur einen Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein bedeutet. Vielleicht kann diese Geste jedoch weitere Spender oder Fördermittelgeber ihrerseits dazu motivieren, Hilfe zu leisten.

In Königsberg befand sich lange Zeit der bemerkenswerte Teetzer Altar mit seinen wunderschönen Schnitzfiguren und den Malereien, die dem Umfeld der Cranach-Schule zugeschrieben werden. Kurz vor der Sperrung des Gebäudes wurde er in die Gutskapelle von Ganz ausgelagert. Seine Besichtigung lässt uns für kurze Zeit die Probleme dieses Tages vergessen. In dem schlichten Raum hat das Kunstwerk vorerst einen würdigen Platz gefunden.

Nicht zum ersten Mal besuchen wir anschließend die aus dem 19. Jahrhundert stammende Kirche in Teetz, die in Baugestalt und Größe durchaus Ähnlichkeiten mit dem Kirchengebäude in Gadow aufweist. Der hiesige Förderverein nahm seine Arbeit bereits 1999 auf und kann inzwischen auf Erfolge verweisen. Vorsitzender Dieter Kliche berichtet, dass es nach ersten Reparaturen im Bereich der Apsis, die zum großen Teil in Eigenleistung erfolgten, im letzten Jahr möglich war, den Dachstuhl zu sanieren und das Dach des Kirchenschiffes mit Schieferplatten um- bzw. neu zu decken.

Derartige Lichtblicke stehen in Bückwitz noch aus. Im Gesimsbereich der ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammenden Kirche wurde Schwammbefall festgestellt. Das größte Problem stellt jedoch der Turmhelm dar. Zur Stabilisierung wurden im Inneren Eisenringe eingezogen, die inzwischen rosten und die gesamte Konstruktion gefährden. Pfarrerin Kathrin Nagel befürchtet, dass der Kirchturm den nächsten Winter nicht überstehen könnte. Ein Mitglied des Gemeindekirchenrates hat die Reste der Hollenbach-Orgel durch ein Holzgestell und Plastikplanen fachmännisch eingehaust, um sie vor weiteren Verlusten zu schützen. Für dringend nötige Instandsetzungsarbeiten am Kirchengebäude fehlt jedoch das Geld.



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Erschütternd ist zum Abschluss unserer Exkursion auch der Besuch in Vichel. Beim Betreten der Kirche fällt der Blick zuerst auf die neu gestalteten farbigen Fenster im Chor, deren Einbau die Gemeinde erst zu Ostern 2003 mit einem feierlichen Gottesdienst feierte. Die Investition erwies sich jedoch als grober Fehler, denn durch das Verschließen der zuvor defekten Fenster erhielt der echte Hausschwamm, der bisher weitgehend im Verborgenen geblieben war, beste Wachstumsbedingungen. Überall im Innenraum sind frische Fruchtkörper dieses gefährlichen Holzschädlings zu erblicken. Die Dachkonstruktion, Balken und Mauerwerk im Gesimsbereich, die hölzerne Ausstattung – der Schwamm sitzt in dieser Kirche überall. Die Evangelische Landeskirche hat ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, das etwa zwei Wochen nach unserem Besuch durch den Architekten Michael Ewerien und den Baustatiker Axel Seemann einer größeren Runde von Fachleuten vorgestellt wurde: Das Ergebnis ist ernüchternd: allein für die notwendigsten Arbeiten zur Beseitigung des Hausschwamms werden über 100.000 Euro benötigt. Woher das Geld kommen soll, wusste bei dem Expertentreffen vorerst niemand zu sagen.

Das Fazit unserer Besichtigungsfahrt: noch immer sind zahlreiche Kirchengebäude im Land akut in ihrem Bestand bedroht. An vielen Orten gibt es inzwischen Menschen, die sich damit nicht abfinden wollen und sich ehrenamtlich für den Erhalt ihrer Gotteshäuser einsetzen. Ohne öffentliche Unterstützung jedoch werden sie zumeist nur wenig ausrichten können. Als vor einem Jahr das Bundesprogramm „Dach und Fach“ zur Notsicherung denkmalgeschützter Bauten sowie das Förderprogramm „Kultur in den neuen Bundesländern“ abrupt beendet wurden, schrieb der Förderkreis Alte Kirchen einen Protestbrief. Im damaligen Antwortschreiben der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Staatsministerin Christina Weiss, hieß es: „Mehr als 12 Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten erscheint mir eine flächendeckende Förderung der kommunalen kulturellen Infrastruktur in den neuen Ländern durch den Bund nicht mehr vorrangig zu sein.“ – Schade, wir hätten Frau Weiss bei unserer Fahrt durch die Prignitz gern dabei gehabt.

Bernd Janowski, Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.



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Konzerttipps

Auf Tour durch Brandenburg / Berlin

  • 08.02., Hansi Hinterseer, Berlin
  • 21.02., 3 Doors Down, Berlin
  • 24.02., Chris Doerk & Frank Schöbel, Rathenow
  • 24.02., The Jailbreakers, Potsdam
  • 26.02., Spencer Bohren, Zehdenick
  • 27.02., Tim Bendzko, Berlin
  • 03.03., Carolyn Wonderland, Lauchhammer
  • 04.03., Rea Garvey, Berlin
  • 04.03., Adoro, Berlin
  • 07.03., Mitch Ryder, Berlin
  • 09.03., Noel Gallagher's High Flying Birds, Berlin
  • 11.03., Michael Hirte, Schwedt/Oder
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