Sorbisch gehört zu den westslawischen Sprachen. Es gibt zahlreiche regionale Dialekte und Mundarten. Besonders der Bautzener und Cottbuser Dialekt prägen maßgeblich die obersorbische bzw. niedersorbische Schriftsprache.
Heute wird von etwa 20.000 Sorben niedersorbisch und von rund 40.000 Sorben obersorbisch gesprochen, wobei tschechische Einflüsse im Obersorbischen und polnische im Niedersorbischen bestehen.
Sorbische Texte aus dem Mittelalter existieren nicht. Die Forderung nach Verbreitung des Christentums in der jeweiligen Muttersprache im Zuge der Reformation beförderte aber auch die sorbische Sprache. Nun lagen auch Übersetzungen der Bibel im Sorbischen vor. Mit dem „Wendischen Gesangbuch mit dem Kleinen Katechismus und dem Tauf- und Traubüchlein“ wurde 1574 dann auch das erste gedruckte Buch in sorbischer Sprache veröffentlicht.
Eine verbindlich normierte Schriftsprache bildete sich allerdings erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts heraus. Hier entstanden zwei schriftliche Formen - die obersorbische und die niedersorbische. Eine gemeinsame Schriftsprache für alle Ober- und Niedersorben konnte sich aufgrund der sprachlichen Unterschiede und mangels territorialer politischer Einheit jedoch nicht entfalten. Beide Sprachformen haben sich bis in die heutige Zeit parallel erhalten. Sie unterscheiden sich in Grammatik und Orthographie, aber auch in der Phonetik. Die obersorbische Schriftsprache lehnt sich dabei stärker an die deutsche Rechtschreibung an.
Seit dem 18. Jahrhundert hat sich das sorbische Sprachgebiet beständig verkleinert. Die Assimilation, mangelnde rechtliche Gleichstellung und sprachpolitische Maßnahmen führten zu weitestgehender Zweisprachigkeit im sorbischen Gebiet mit Beginn des 20 Jahrhunderts. Gleichzeitig nahm die sorbisch sprechende Bevölkerung ständig ab.
Um die Jahrtausendwende beherrschten noch etwa 67.000 Lausitzer die sorbische Sprache. Der tägliche Gebrauch ist allerdings sehr auf den ländlich privaten und kirchlichen Bereich beschränkt. Besonders in der Oberlausitz ist die sorbische Sprache noch im gesellschaftlichen Leben und in der Familie verwurzelt. Hier wachsen die Kinder mit der sorbischen Muttersprache auf und lernen erst in der Schule deutsch. An vielen Grundschulen, sorbischen Gymnasien, in Bautzen und Cottbus ist Sorbisch Unterrichtssprache. Darüber hinaus gibt es fakultative Angebote als Zweitsprache.
In der Niederlausitz konnte sich das Sorbische vergleichsweise geringer entfalten als in der Oberlausitz. Sorbisches Leben hatte sich hier schwächer entwickelt, auch durch die sorbenfeindliche Politik Preußens. Dennoch wird heute an 25 Grund- und drei weiterführenden Schulen Niedersorbisch als fakultative, am Niedersorbischen Gymnasium in Cottbus als obligatorische Sprache unterrichtet.
Einen wesentlichen Anteil für den Erhalt der Sprache haben die sorbischen Zeitungen und andere Medienangebote. Hier seien die Tageszeitung „Serbske Nowiny“ (Sorbische Neuigkeiten), das katholische Wochenblatt „Katolski Posol“ (Katholischer Bote) und die evangelische Monatszeitschrift „Pornhaj böh“ (Grüß Gott) genannt. Der MDR und der RBB Brandenburg senden außerdem Programme in sorbischer Sprache.
Darüber hinaus fördern verschiedene Projekte die sorbische Spracherziehung:
http://www.niedersorbisch.info: deutsch-niedersorbisches Wörterbuch (Projekt des Sorbischen Instituts in Cottbus)
http://www.witaj-projekt.de: Witaj-Projekt
Roland Schulze, FH-Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften