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Ringenwalde (bei Templin) - Dorfkirche

Orgel in der Ringenwalder Dorfkirche. Foto: Wolf BergeltBildvergrößerung

Orgel in der Ringenwalder Dorfkirche. Foto: Wolf Bergelt

Zuweilen entpuppt sich ein festgeschriebenes Wissen als „verzauberte Halbwahrheit“, sobald man den Ort des bisherigen Aberglaubens mit eigenen Füßen erreicht. Lange Zeit wurde die Urheberschaft des Ringenwalder Orgelwerkes dem Treuenbrietzener Orgelbauer JOHANN TOBIAS TURLEY zugeschrieben. Schon der erste Blick auf den Prospekt bringt aber diese Überzeugung ins Wanken. Turley kann höchstens in den Windeln gelegen haben, als man sich in diesen Stilelementen auszudrücken pflegte; ein starker Impuls für jeden Forschergeist, der aber zunächst enttäuscht sein muss, nachdem die Empore erklommen ist: Wir stehen vor einem Spieltisch der „pneumatischen Epoche“, welcher durch Röhren mit einer entsprechenden Kegelladenbasis verbunden ist und lesen „Albert Kienscherf, Eberswalde“. Die Disposition präsentiert sich auf zwei Manualen und einem Pedal (s. u.). Und doch, an den Registerwippen des Hauptwerkes entzündet sich die Hoffnung auf ein „zinnernes Rokokoherz“ erneut und - findet sich bestätigt. Scheidet man die historischen Schichten, ergibt sich ein klares Bild über die ursprüngliche Gestalt der Orgel, zumal nur die Hauptwerkslade vom Gehäuse umschlossen ist.

Lediglich zwei achtfüßige Fremdkörper (Harmonieflöte u. Gamba) im 1. Manual müssten dem alten Gedackt und der Rohrflöte (im 2. Manual) weichen, um die ursprüngliche in sich geschlossene Einheit einer pedalwerklosen, einmanualigen Orgel transparent zu machen, die den Geist der Wagnerschule atmet. Gewissheit brachten schließlich die unvermuteten Aktenfunde und eine genaue Untersuchung der Pfeifensubstanz durch den Wagnerforscher DIETRICH KOLLMANNSPERGER (s.u. die mit * gekennzeichnete historische Substanz). Bevor Kienscherf 1913 den Umbau des Werkes in Angriff nahm, setzte er sich mit dessen Herkunft auseinander. Dabei versäumte er nicht, die vorgefundene Disposition wiederzugeben:

Prästant 4’
Principal 8’ Bass
Principal 8’ Diskant
Gedact 8’
Rohrflöte 4’
Nassard 2 2/3’
Octav 2’ Bass
Octav 2’ Diskant
Cornet 3 f.
Mixtur 4 f. Bass
Mixtur 4 f. Diskant

Pedalkoppel, Glocke, Tremulant, Sonne, Engelsposaune.

Seinem Kostenanschlag lässt Kienscherf einen aufschlussreichen Brief folgen, in dem sich manche offene Frage von selbst beantwortet:

„Das vorhandene Orgelwerk ist im Jahre 1760 vom Orgelbauer Marx, Berlin erbaut. Es enthält 8 klingende Stimmen auf dem Manual stehend, welche zum Teil doppelte Registerzüge haben. Das Pedal vertritt eine mangelhaft konstruierte Pedalkoppel (Turley ?) mit Pedalklaviatur C-f (=18 Töne), in späteren Jahren eingebaut. Das alte Gebläse (Keilbälge), ist noch gut erhalten und für den geplanten Erweiterungsbau vollständig ausreichend. Die alte Windlade des Manuals ist aus bestem Eichenholz gefertigt und läßt sich als erstes Manual noch gut verwenden, ebenso die gut gearbeiteten Zinnpfeifen. Das Gehäuse der Orgel, im Barockstil errichtet, ist ebenfalls noch gut erhalten. Es gibt, um ca. 1 m in der Breite bzw. in der Tiefe erweitert, den erforderlichen Raum für das zweite Manual und das Pedal.“

Von besonderem Interesse ist, dass Kienscherf vom Namen des Erbauers und dem Baujahr in der Diktion der Gewissheit spricht und damit zeigt, dass er die folgende Quelle zwar nicht kennen konnte, aber doch einen Teil der Wahrheit wusste. Woher ? - Fest steht, dass der geistige Vater und Kontraktpartner des Ringenwalder Orgelprojektes nicht ERNST MARX, sondern dessen Berliner Kollege PETER MIGENDT war, dem somit auch der Hauptteil der Arbeit zugesprochen werden muss. Der am 25. Oktober 1760 verfasste Brief zur Abnahme der Orgel zeichnet eindeutige Verhältnisse und stammt aus der Feder des Joachimsthaler Organisten CHRISTIAN GOTTFRIED BÖTTCHER:

„Nachdem seiner königl. Mäjestät in Preussen wohlbestallter Herr Obrist von Ahlimb Hochwohlgeboren als Erb- und Gerichtsherr auf Ringenwalde in dasiger Kirche von Herrn Orgelbauer Peter Migendt aus Berlin eine neue Orgel anfertigen lassen, welches Werk itziger Zeit zur Perfection gekommen und dann von eingangs gedachten Herrn Obrist von Ahlimb Hochwohlgeboren mir endes benanndten die Revision dieser neuen Orgel kommitieret; so ist der heutige Tag darzu bestimmt und wie diese Untersuchung und Probe der Orgel in praesentia des Herrn Obrist Hochwohlgeboren und dem Herrn Orgelbauer gehörig vorgenommen worden. Als wird Herr Orgelbauer Peter Migandt hiermit zur ... Wahrheit attestieret: Das er dieses Orgelwerk nicht nur contractmäßig nach guter Bauart und allem, was dem anhängig, angefertiget, sondern auch in allen Stimmen in einer nötigen Farce und reinen Harmonie gesetzet, so das überhaupt dieses Werk vollkommen gut und tüchtig von ihm zum Ruhm verfertiget und kein Fehler daran befunden worden.“

Ob ERNST MARX an der Arbeit beteiligt war, bleibt eine offene, beantwortungswerte Frage.

Seit einigen Jahren wissen wir, dass es sich um die einzige noch erhaltene Kirchenorgel Migends und damit einen der wertvollsten Schätze der Orgellandschaft des Landes Brandenburg handelt, deren Rückführung in den ursprünglichen Klang- und Farbzustand wir uns alle wünschen und mit aller Kraft betreiben sollten.

Disposition

1. Manual C - f‘’’
*Prinzipal 8’
*Bordun 16’
Harmonieflöte 8’
Gamba 8’
*Octav 4’
*Octav 2’
*Cornett (ab c’) 3 f.
*Mixtur 4 f.
*Cymbelstern
*Glocke

2. Manual
Geigenprinzipal 8’
Salicional 8’
Gedackt 8’
Rohrflöte 4’

Pedal C - d’
Subbass 16’
Octavbass 8’

Registerschweller
Handregister ab
Pedalcoppeln zu 1 und 2

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Konzerttipps

Auf Tour durch Brandenburg / Berlin

  • 08.02., Hansi Hinterseer, Berlin
  • 21.02., 3 Doors Down, Berlin
  • 24.02., Chris Doerk & Frank Schöbel, Rathenow
  • 24.02., The Jailbreakers, Potsdam
  • 26.02., Spencer Bohren, Zehdenick
  • 27.02., Tim Bendzko, Berlin
  • 03.03., Carolyn Wonderland, Lauchhammer
  • 04.03., Rea Garvey, Berlin
  • 04.03., Adoro, Berlin
  • 07.03., Mitch Ryder, Berlin
  • 09.03., Noel Gallagher's High Flying Birds, Berlin
  • 11.03., Michael Hirte, Schwedt/Oder
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